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Ausstellung
Learning to Love Germany
DATUM 04. Nov. 2003 - 07. Jan. 2004 Ort DIEHL
SUSAN HILLER

Learning to love Germany ist Susan Hillers erste Einzelausstellung in Berlin und präsentiert vornehmlich jene Arbeiten, die während ihres Aufenthalts in der Stadt als Gast im Berliner Künstlerprogramm des DAAD entstanden sind. Hiller ist eine der bekanntesten und geachtetsten Künstlerinnen Großbritanniens; ihre Arbeit ist auch international von großem Einfluss. In den letzten Jahren hatte sie unter anderem Ausstellungen in der Tate Modern, dem Museum of Modern Art in New York, dem Museum of Contemporary Art in Los Angeles, dem Moderna Museet in Stockholm, dem Museet for Samtidskunst in Roskilde, und der Gagosian Gallery New York.  Wir in der Galerie Volker Diehl sind sehr froh über diese Gelegenheit, mit Susan Hiller zu arbeiten.

 

Susan Hillers Arbeiten erzählen stets Geistergeschichten. Auch diese Ausstellung bildet keine Ausnahme; sie thematisiert beunruhigende Beziehungen und bringt Geschichten ans Licht, die in gewöhnlichen Objekten verborgen liegen.

Die großen Farbdrucke der "Landstrassen / Country Roads" und "Snow Scenes / Schnee-Szenen" sind Teil eines weiterführenden Film- und Buchprojekts, das durch den DAAD und die Kulturstiftung des Bundes (Halle) gefördert wird. Hierfür filmt und fotografiert Hiller an über 200 Orten in ganz Deutschland. Das Thema dieser Arbeiten sind Spuren der Abwesenheit, die ausdrücklich auf Karten und Straßenschildern benannt ist. Diese banalen Markierungen geben in Hillers Bildern ganz gewöhnlichen deutschen Orten eine beredte Ruhe.

In "Remember to remember", "Forget to remember", "Remember to forget", "Forget to forget" und "A longing to be modern" verbindet Hiller Keramiken aus Westdeutschland und aus der DDR in skulpturalen Ensembles, die die sammelnde und klassifizierende Arbeit von Archäologen mit der traditionellen Ästhetik der Stillebenmalerei und der Sorgfalt heimischer Innenausstattung vermengen. Der Titel oder Text in jeder Arbeit wurde aus Bronzebuchstaben gesetzt, die von örtlichen Grabsteinen recycelt wurden. Vielleicht ist diese Arbeit ein Hinweis darauf, wie Vergangenheit durch Vergessen und auch durch Erinnerung kontinuierlich wieder zum Leben erweckt wird.

"What every gardener knows" ist eine Audioinstallation mit einer Komposition von Hiller, die auf Mendels Vererbungslehre basiert. Die Arbeit besteht aus einem elektronisch regulierten Glockenspiel, das die Stunden, die Halbstunden und die Viertelstunden präzise schlägt; es ist für die Aufstellung im Außenraum, in einem Garten konzipiert. Ursprünglich wurde die Arbeit im letzten Sommer für die Ausstellung 'Genius Locii' im Stadtpark Lahr (Schwarzwald) entwickelt. Mendels Entdeckung der genetischen Regeln wurde dazu benutzt, die so genannte 'Wissenschaft' der Eugenik zu rechtfertigen, die die Beseitigung all jener Menschen vorantrieb, die 'nicht wünschenswertes' Erbgut in sich trugen. Hillers musikalische Version der Mendelschen Gesetze zählt dagegen die Vielzahl und den Reichtum genetischer Möglichkeiten auf, die alles Leben bedingen, und zelebriert sie dadurch.


 

Mit "Skins" legt Susan Hiller eine Serie fragiler Zeichnungen vor, die auf formalistische Schönheitskriterien verweisen. Die Farbstifte, die sie dafür nutzt wurden in Nürnberg hergestellt und sind nach rassischen Merkmalen klassifiziert und bezeichnet. Ihr arbeitsintensives Markieren des Papiers kann dabei als Form eines ritualisierten Exorzismus verstanden werden, der die rassistische Kategorisierung durch die Sichtbarmachung unterläuft.

 

 

Zusammen mit Dr. Friedrich Meschede vom DAAD wird Susan Hiller am 26. November um  19:00 in der Galerie Volker Diehl über diese Ausstellung sprechen. Außerdem wird sie im Rahmen der Veranstaltungsreihe WissensKünste des Zentrums für Literaturforschung am

7. November um 20:00 im Haus der Kulturen der Welt in ihre Arbeit einführen.