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Ausstellung
KUNST IM POLITISCHEN KAMPF
DATUM 29. May. 2020 - 22. Jul. 2020 Ort DIEHL

Dieter Hacker, Aesthetik und Ideologie, 1968/2018, C-Print

In Erinnerung an Christos Joachimides

Eine Ausstellung im permanenten Wandel

Mit Joseph Beuys, KP Brehmer, Dieter Hacker, Wolf Vostell u.a.

 

Die globalen Krisen unserer Zeit haben immer aufs Neue gezeigt, wie gefährlich es ist, wenn die Kraft der gesellschaftlichen Gestaltung allein in den Händen der frei waltenden Ökonomie liegt. In einer immer stärker von scheinbar unumkehrbaren Sachzwängen verwalteten Welt wird die mögliche Einflussnahme des Menschen nur allzu gern verneint nach dem Motto: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“. Zumal die grassierenden Sehnsuchtsbilder einer heilen Welt von morgen vornehmlich von den Hochglanzbildern weltumspannend operierender Werbung diktiert werden. So formulierte bereits Pier Paolo Pasolini in seinen „Freibeuterschriften“ nicht von ungefähr „die Zerstörung der Kultur des Einzelnen durch die Konsumgesellschaft“. Und Joseph Beuys tritt ihm zur Seite: „Bis jetzt hat der Künstler noch nicht nachgewiesen, dass er mehr Macht hat als die Ökonomie.“

 

Doch was ist mit der Kunst? Welche Möglichkeiten der Einflussnahme hat sie? Bruce Naumans großer Satz „die Kunst erlöst uns von gar nichts“ beleuchtet in besonderer Weise die scheinbare Ohnmacht der Kunst gegenüber den scheinbar stärkeren Kräften von Politik und Wirtschaft.

 

Und dennoch – es sind die Künste, die bildende Kunst, das Theater, die Literatur, der Film, die Musik und der Tanz, die die Vision einer veränderbaren Welt als lebendigen Traum wachhalten. Sie tun dies, indem sie die Risse der Wirklichkeit zeigen, die Nachtseiten der Existenz aufscheinen lassen und so jenen Freiraum in die Wirklichkeit zeichnen, in dem eine andere Welt gedacht werden kann.

 

Doch die Skepsis der Wirkmächtigkeit der Künste, sie bleibt dem Handeln der Künstler eingeschrieben. Der Zweifel ist Motor. „Bis jetzt hat der Künstler noch nicht nachgewiesen, dass er mehr Macht hat als die Ökonomie“, konstatiert Joseph Beuys. Und in der Parallele formuliert Heiner Müller: „Man muss sich als Intellektueller damit abfinden, dass in einer Welt, wo Geld der oberste Wert ist, der Intellektuelle nicht viel bedeutet und nicht viel tun kann außer Denken und Schreiben“.

 

Im Jahr 1973, in einer Zeit der politischen Umwälzungen nach den Studenten-Protesten der 1960er Jahre, wurde im Kunstverein Hannover ein Ausstellungs-Experiment gewagt. Einer Idee des Ausstellungsmachers Christos Joachimides folgend, lud der Direktor des Kunstvereins, Helmut Leppien, Künstler ein, um in einer kollektiv konzipierten Ausstellung der Frage nach dem Politischen in der Kunst nachzugehen.

 

Am 2. und 3. Februar 1973 trafen sich in Hannover Joseph Beuys, KP Brehmer, Albrecht D., Dieter Hacker, Jörg Immendorff, Siegfried Neuenhausen, Klaus Staeck und Gerhard Steidl, um zusammen mit den Ausstellungsmachern über die Möglichkeiten einer gemeinsamen Ausstellung zur politischen Kraft der Kunst zu diskutieren. Zwei Monate später wurde die Ausstellung unter dem von Joseph Beuys vorgeschlagenen Titel „Kunst im politischen Kampf“ eröffnet. Mit dem Untertitel „Aufforderung – Anspruch – Wirklichkeit“ machten die Künstler deutlich, dass die Frage der politischen Wirkmächtigkeit ungeklärt und die Maxime des Experiments eher Aufforderung zum kritischen Hinterfragen des eigenen Tuns sei und weniger die Beschreibung einer bereits erreichten Realität.

 

In Erinnerung an Christos Joachimides (1932–2017) nimmt die Galerie Diehl diese Ausstellung zum Anlass und Ausgangspunkt, um erneut die Frage nach der politischen Kraft der Kunst zu stellen. Und zwar in Zeiten, in denen die Kunst der Gegenwart sich nicht selten darin gefällt, „auf der Schaumkrone des Kapitalismus zu surfen“.

 

Die Ausstellung beginnt mit Werken von Künstlern, die an der Hannoveraner Ausstellung 1973 teilgenommen haben und zeigt Werke von Joseph Beuys, KP Brehmer, Dieter Hacker und Wolf Vostell. Sie versteht sich allerdings als eine Ausstellung im permanenten Wandel und wird die Exposition mit Werken weiterer Künstler ständig erweitern und verändern.

 

Über die Informationskanäle der Galerie wird über diese Wechsel fortwährend informiert.

 

Carsten Ahrens