VIA LEWANDOWSKY

DRESDEN.? – ARBEITEN MIT DER STADT

VIA LEWANDOWSKY
23.05.2015 05.07.2015
Hochhaus am Pirnaischen Platz, Dresden
DRESDEN.? - ARBEITEN MIT DER STADT
Am Samstag, den 23. Mai 2015 um 15 Uhr eröffnet Kulturbürgermeister Dr. Ralf Lunau vor dem Hochhaus am Pirnaischen Platz das Projekt „Dresden.? - Arbeiten mit der Stadt“. Das dreiteilige Kunstprojekt im öffentlichen Raum wurde von der Kunstkommission der Landeshauptstadt Dresden initiiert und über ein Ausschreibungsverfahren an den Kurator Thomas Eller übergeben. Er beauftragte die Künstler Florian Dombois und Via Lewandowsky sowie die Künstlerin Nezaket Ekici mit Arbeiten, die sich mit Dresden auseinander setzen. Zur Eröffnung gibt er eine Einführung in die künstlerischen Arbeiten. Bis 5. Juli 2015 sind ihre Projekte im öffentlichen Raum in Dresden zu sehen und zu erleben. Ausgangspunkt der drei Kunstprojekte war die Frage nach den Kraftquellen Dresdens und wie diese sichtbar gemacht werden können. In einem mehrere Monate währenden Prozess haben sich die beteiligten Künstlerinnen und Künstler mit der Stadt auseinandergesetzt und in drei Feldern gearbeitet, die für die Identität Dresdens wichtig sind: Die „Geschichte Sachsens“, „Dresden Stadt der Wissenschaften“ und der „Umgang mit den Anderen“. Ganz offensichtlich bezieht die Stadt einen Großteil ihres Selbstverständnisses aus Sachsens Geschichte. Die kunstgeschichtlichen und kulturhistorischen Sammlungen sind weltweit erstklassig. Die Wunden aber, die der 2. Weltkrieg und die deutsche Teilung gerissen haben, sind immer noch schmerzhaft spürbar. Der Umgang mit Kunstwerken und Architektur aus der DDR-Zeit erscheint nach wie vor problematisch. Was ja nur bedeutet, dass man mit diesem Thema noch lange nicht fertig ist. Der Beitrag des gebürtigen Dresdeners und in Berlin lebenden Künstlers, Via Lewandowsky legt den Finger in genau diese Wunde. Seine Installation „Vergangenheit der Zukunft“ rekonstruiert vier Buchstaben eines ursprünglich am Hochhaus am Pirnaischen Platz angebrachten Schriftzugs. Anstatt „DER SOZIALISMUS SIEGT“ steht nunmehr nur noch „SIEG“ auf einem Gerüst vor der Fassade. Gerne würde mancher Dresdener, der auf dem Weg ins Stadion ist, das Wortzeichen auf Dynamo beziehen. Nicht nur im Lichte der vergangenen Monate allerdings, spricht das Kunstwerk von einem Fallout-Produkt der DDR-Zeit, das sich unschön immer wieder bemerkbar macht. Fast im Verborgenen findet ein Prozess statt, der Dresden an die Weltspitze geführt hat. Als Stadt der Wissenschaften hat Dresden die höchste Forscherdichte pro Kopf aller deutschen Städte. Insgesamt 45 Forschungseinrichtungen mit ca. 4000 Beschäftigten sind in Dresden tätig. Von Stammzellenforschung bis zu Endlagerstätten wird in Dresden alles erforscht, was unsere Leben in Zukunft bestimmen wird.Der in der Schweiz lebende Künstler Florian Dombois hat sich in intensiver Auseinandersetzung mit den Wissenschaftlern mit Prozessen rückwärtslaufender Zeit beschäftigt. Sein Projekt „Inverse“ stellt gesellschaftliche Entwicklung, technologischen Fortschritt, sowie Avantgardeideen in Frage. War früher immer alles besser?! – Oder: Ist gesellschaftlicher Fortschritt immer eine Sache der intellektuellen Linken?Für das bewusst ephemere Projekt "Inverse" hat der Künstler ein „Flock of Happenings“ am 30. Mai auf dem Postplatz initiiert, an dem Dresdner Wissenschaftler konkrete Beispiele aus ihrer Forschung zum Thema Zeit und ihrer Richtung zur Diskussion stellen. Gleichzeitig finden drei Abendveranstaltungen statt, in denen die Konsequenzen dieser Forschungsinhalte diskutiert werden. Vielleicht ist unser lineares Zeitmodell, das nur zwischen progressiv und konservativ glaubt zu unterscheiden, zu simpel? – „Was wäre, wenn die Zeit rückwärts liefe?“ (Näheres im ausführlichen Programm) Was in Dresden weiterhin ins Auge fällt, ist eine merkwürdige Diskrepanz zwischen ihrer historischen Weltoffenheit und den jüngsten Großdemonstrationen. Dazu gehört auf der einen Seite sichtbar im Stadtbild das Yenidze-Gebäude und auch die Karl-May-Festtage in Radebeul, als Folklore gewordene deutsche Romantik. Auf der anderen Seite stehen die vollkommen überzogenen Ängste vieler Demonstranten in Dresden, die eine Überfremdung fürchten – bei gerade mal 4000 in Sachsen lebenden Muslimen. Dresden tut sich heute schwer im Umgang mit den „Anderen“. Die Berliner Künstlerin Nezaket Ekici hat sich dem Thema mit Ihrer Installation „PostIt“ vor dem Landgericht Dresden genähert. Teppiche, darauf weist die Künstlerin im Gespräch immer wieder hin, sind Orte der Kommunikation und der Gemeinsamkeit – auf Ihnen isst man und bespricht man sich. Auf ihnen werden Verhandlungen geführt, Differenzen diskutiert und Frieden hergestellt. Die Nähe zum Landgericht weist auf eine Parallele von verschiedenen Rechtsverständnissen und Verhandlungspraktiken hin. Das Portal aus Teppichen verweist aber auch in vielfacher Hinsicht auf die Rezeption und Integration orientalischer kultureller Gehalte und Objekte, bis hin zu Gottfried Semper, der schon 1860 sein Architekturkonzept in einer Art „Bekleidungstheorie“ formulierte und auf die reichverzierte Zeltarchitektur von Nomaden zurückbezog. Darüber hinaus aber verweist der Titel des Kunstwerks, „PostIt“, aber noch auf einen anderen Zusammenhang. Üblicherweise verwendet man gelbe Zettel, wenn man etwas auf keinen Fall vergessen will – das Landgericht ist der Ort, in dem am 1. Juli 2009 die ägyptische Pharmazeutin Marwa el Sherbini mit 18 Messerstichen aus ausländerfeindlichen Gründen erstochen wurde. Die Landeshauptstadt Dresden hat das Projekte gefördert. Partner des Projektes ist auch die Stiftung Kunst und Musik für Dresden. Dresden.? – Arbeiten mit der Stadt Drei Kunstprojekte im öffentlichen Raum Künstler: Florian Dombois, Nezaket Ekici, Via Lewandowsky, Kurator: Thomas Eller Eröffnung: 23. Mai 2015, um 15 Uhr Förderer: Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz Partner: Stiftung Kunst und Musik für Dresden Projektdauer: 23. Mai bis 5. Juli 2015 Installationen: Via Lewandowsky: vor dem Hochhaus am Pirnaischen Platz, Grunaer Str. 5 Nezaket Ekici: Parkanlage vor dem Landgericht, Lothringer Straße 1